Der Berg!

Ich habe es tatsächlich geschafft: Wir haben mit 8,7 km und 2229 Höhenmetern den auf 4095 m liegenden Gipfel des Mount Kinabalu bestiegen!

Oben am Gipfel bei Sonnenaufgang anzukommen war atemberaubend (auch physisch), nach der kompletten Tour wieder den Ausgangspunkt zu erreichen ist ein grandioses und unbeschreibliches Gefühl.

Nach Übernachtung nahe der Park Headquarters und kurzer Fahrt zum Ausgangspunkt sind wir (8 Teilnehmer unserer Gruppe, unser Guide + 2 Bergführer) um 8.30 Uhr auf 1866 m gestartet. Aufwärts, teilweise über Holztreppen, aber größtenteils über natürliche Stufen aus Ästen, Steinen und Felsbrocken durch die unterschiedlichen und abwechslungsreichen Vegetationszonen, immerwieder gespickt mit bereits tollen Ausblicken. Gestrigen Etappe waren 6 km und gingen bis zum Resthaus auf 3273 m Höhe. Der Name ist sehr passend, da der Aufenthalt vielmehr eine Verschnaufspause als Übernachtung war. Ich bin mit dem Mittelfeld um 13.50 Uhr dort eingetroffen, vor allem die letzten beiden Kilometer wurden immer steiler und waren ganz schön happig. Da ich mir bisher aber eher Gedanken gemacht hatte, es bis hierher zu schaffen, war ich zunächst glücklich über das erreichte, verbunden mit beginnender Nervosität zur nächsten Etappe… Nach kurzer Erholung gab es um 16.30 Uhr Abendessen, anschließend ging bereits die zu-Bett-geh-Stimmung los, nach nicht wirklich ungestörtem Schlaf im 10er Schlafsaal war um kurz vor 2 Uhr morgens unsere Nacht vorüber und ein Frühstück zur Stärkung stand bereit.

Um 2.45 Uhr sind wir bei sternenklarem Himmel, warm eingepackt und mit Stirnlampen ausgestattet zum weiteren Aufstieg gestartet. Zunächst die steile Stufenvarianten vom Vortag, aber immer mehr planker Felsen, teils mit Graten und Furchen zum Halt für die Füße, teils nur mit befestigten Seilen um sich vorwärts oder seitlich zu stabilisieren. Komisches Gefühl bei völliger Dunkelheit, da man immer nur die nächsten kommenden Meter sieht. Aber vielleicht auch von Vorteil…
Eine Mitreisende war gar nicht erst zu dieser Etappe mit aufgebrochen, zwei weitere sind nach dem ersten Stück wieder umgekehrt, so dass ich letztendlich einen Guide für mich hatte und meine Füße nach seinen Schritten ausrichten konnte. Irgendwann waren dann im sich ankündigenden Sonnenaufgang erste Schemen des Gipfels zu erkennen. Die letzten 700 m waren für mich unvorstellbar hart, zumal auch bereits ab 2800m die Luft dünner wurde. Aber irgendwie sind wir tatsächlich um 6 Uhr oben angekommen und haben einen wunderschönen Sonnenaufgang mit sensationellen Rundum-Panorama erlebt.
Hatte ich zwischenzeitlich aufkeimende Gedanken verdrängt, dass wir die steilen Felswände wieder runter müssen, war auch der Weg zurück zur Zwischenetappe dann ganz gut zu bewältigen – unterstützt von dem Erfolgsgefühl, blauem Himmel und Sonnenstrahlen.
Zurück beim Resthaus gab es ein zweites Frühstück, wir haben unsere zurückgelassenen Sachen gepackt und um 9.30 Uhr den weiteren Abstieg begonnen. Der hat sich ziemlich bald als der mühsamste Teil der Unternehmung herausgestellt. Weniger wegen körperlicher Strapazen (außer meinen Knien habe ich bis dato recht wenig gespürt), viel mehr ist es mir nicht wirklich gelungen, mich für den restlichen Weg zu motivieren, der gestern aufwärts schon kräftezehrend war. Zu allem Übel hat es dann auf den letzten 2 Kilometern auch noch begonnen zu regnen, so dass der Weg klitischig wurde und wir zu zweit um 14 Uhr durch und durch tropfnass unten angekommen sind… Aber nach dem Wechsel in trockene Kleider überwiegt immer mehr das gute Gefühl. Ich bin stolz das tatsächlich geschafft zu haben!

Langsam machen sich alle möglichen Muskeln und Schlafmangel bemerkbar. Wir sind für die kommenden beiden Nächten in unmittelbarer Nähe heißer Badequellen untergebracht und haben morgen keine weiteren Unternehmungen geplant, es ist erstmal Erholung angesagt…

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